Sonntag, 19. Mai 2019

Augenoperation Maria Arlinda

Blinde Frau wird erfolgreich in Ulm operiert und erlangt ihr Augenlicht wieder.

Projektstart: März 2007

 

Vertragspartner: ADEVIC – Blindenverein in Mindelo, Sao Vicente, Cabo Verde

 

Unterstützer: Augenärzte im Basteicenter Ulm
(Ambulante Operationen Gemeinschaftspraxis)
und Dr. Kneer, Augenarzt in Giengen an der Brenz

Sachstand: Im Frühjahr 2006 bat uns Herr Luis Monteiro, Delegierter des Blindenvereins ADEVIC in Sao Vicente, um Hilfe.
Eine 37 jährige Frau, Mutter von drei Kindern, verliert ihre Sehkraft.
Wir baten um ein Attest um mehr über den Zustand ihres Leidens zu erfahren. Die zuständige Augenärztin verweigerte, wie auch schon in den vorangegangenen Fällen, die Ausstellung eines Attestes. Nach dem Erscheinen des Zeitungsberichtes (25.01.2007), über Susys bevorstehende Reise nach Deutschland zur Operation, in der kapv. Zeitung "A Semana" (siehe unter Zeitungsberichte), überreichte sie dann dem Blindenverein ADEVIC ein Attest für Maria Arlinda, datiert am 25 Oktober 2006!
Im Rahmen einer Arbeitsreise auf die Kapverden, im März 2007, konnten Albert Breindel und Wolfgang Hundt Maria Arlinda treffen.
Es kamen schlimme Dinge ans Licht!
Maria Arlinda, die an beiden Augen an fortgeschrittenem Grauen Star leidet, wurde 2003 im Rahmen einer Aktion "Mobile Augen OP in Cabo Verde" durch einen kapverdischen Arzt am rechten Auge operiert. Direkt nach der Operation verließ der Arzt das Land. Maria Arlinda konnte nach der Operation nur noch hell und dunkel unterscheiden. Das linke Auge verschlimmerte sich dann zunehmend und sie ist heute so gut wie blind.
Nach Rücksprache mit den Augenärzten im Basteicenter Ulm stehen die Chancen gut, ihr linkes Auge zu retten. Anders als Susy reagiert sie noch auf Lichtreflexe. Über die Behandlung des rechten Auges kann allerdings erst nach eingehenden Untersuchungen entschieden werden.
Am 19.04.2007 wird Maria Arlinda in München eintreffen. Die Fluggesellschaft TACV hat uns die Betreuung während der Flüge zugesagt.

Update 22.05.2007
Am 19. April 2007 konnten wir die blinde Maria Arlinda Monteiro aus Mindelo / Sao Vicente in München am Flughafen begrüßen.
Leider war die Zusicherung der TACV, Maria Arlinda auf dem Flug von Sao Vicente nach München zu betreuen, nur in Ansätzen eingehalten worden. In München mussten wir sie aus der Maschine holen, weil die TACV-Besatzung beim Crew-Wechsel in Amsterdam ganz schlicht und einfach vergessen hatte, der neuen Crew mitzuteilen, dass sich eine blinde Frau bis München an Bord befindet.
Noch am gleichen Nachmittag wurde M. Arlinda dem Augenarzt Dr. Kneer in Giengen vorgestellt. Das mitgebrachte ärztliche Attest über ihr Augenleiden stellte sich wieder einmal als sehr oberflächlich heraus. Dr. Kneer nahm sofort Kontakt mit den Augenärzten im Basteicenter in Ulm auf. Schon am nächsten Tag, Freitag den 20. April, wurden ihre Augen dort genauestens untersucht und die Diagnose von Dr. Kneer bestätigt. Das rechte Auge war in Cabo Verde 2003 operiert worden, d. h., es wurde der Linsenkern entfernt und keine künstliche Linse eingesetzt. Schon nach kurzer Zeit, so berichtete M. Arlinda, ließ das Helligkeitsempfinden des Auges, scharf sehen konnte sie nach der Operation sowieso nicht mehr, stark nach. Die Netzhaut war zusammengefallen. Eine Wiederherstellung des Augenlichtes ist nicht mehr möglich.
Das linke Auge ist durch den Grauen Star total weiß eingetrübt, und es ist nicht möglich zu beurteilen, ob die Netzhaut noch vorhanden ist und arbeitet. Um dieses Auge hoffentlich retten zu können, wurde für Donnerstag, den 26. April 2007, eine Operation angesetzt.
Die Operation wurde eine schwierige Sache und verlangte von Herrn Prof. Spraul vollen Einsatz. Eine Stunde lang operierte er und konnte das Auge retten. In wie weit das gelungen war, d. h., wie viel Sehkraft M. Arlinda zurückerhalten würde, sollte sich erst bei der Nachuntersuchung am nächsten Tag herausstellen. Schon am späten Abend des Operationstages konnte M. Arlinda langsam gehend ohne fremde Hilfe ihr Zimmer verlassen und zur Toilette gehen.
Am Freitagmorgen dann ein überwältigendes Erlebnis. M. Arlinda saß auf dem Bett und sah sich ein kleines mitgebrachtes Fotoalbum an. Nach fast sechs Jahren in Dunkelheit konnte sie die Bilder ihrer Kinder betrachten!
Bei der folgenden Nachuntersuchung in Ulm stellten die Ärzte fest, dass M. Arlinda etwa 60% ihrer Sehkraft am linken Auge zurückerhielt. Ein großartiger Erfolg! Die Fa. ProOptik in Giengen, vetreten durch Frau Kehl, fertigte ihr noch eine leichte Lesebrille an, um auch allerfeinste Näharbeiten durchführen zu können.
Dr. Kneer in Giengen betreute M. Arlinda danach und gab für den Rückflug am 10. Mai 2007 grünes Licht. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen beteiligten Ärzten und Helfern, die dieser Frau, die in Cabo Verde als Blinde abgeschrieben wurde, ihr Augenlicht zurückgegeben haben.

Maria Alinda mit gerettetem linken Auge
Maria Arlinda mit gerettetem linken Auge


Update 10.12.2007

Ende November 2007 kamen die beiden an den Augen operierten Frauen, Maria- Arlinda und Susy nach Deutschland und wurden im Basteicenter in Ulm mit dem YAG-Laser behandelt, d.h. die Wucherungen rings um die künstliche Linse wurden entfernt. In Cabo Verde ist dies nicht möglich, da ein funktionierender YAG-Laser nicht vorhanden ist.
Unser Dank geht hier an Prof. Dr. Spraul und seine Mitarbeiter.


Maria Arlinda und Susy nach ihrer Behandlung

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